Die Dopinglüge - Spiegelbild unserer Gesellschaft?
Die Dopingproblematik ist grundsätzlich ein nicht lösbares Problem. Dennoch kann der Umgang mit Doping geregelt werden. Anti-Doping Institutionen und Anti-Doping-Regeln gibt es genug. Die Schwachstelle im System ist nicht der Athlet, sondern der Funktionär. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Geld, Macht, Ansehen, Publizität und Gier.
Deshalb sollte mal richtig bei den Funktionären aufgeräumt werden. Das ganze System ist schon seit Jahrzehnten verfilzt, die Funktionäre decken sich gegenseitig, da die meisten gemeinsame Leichen im Keller haben. Die russischen Whistleblowers haben etwas geschafft, was andere nicht erreicht haben. Sie wurden gehört, ernst genommen und konnten der Welt die Augen öffnen, so dass die IAAF keine andere Wahl mehr hatte, als eine Reaktion zu zeigen.

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Leistungsmanipulation muss bestraft werden

Was der FIFA gelungen ist, bleibt dem IOC verwehrt: Spielregeln, die weltweit gelten und umgesetzt werden können. Jeder, der seine Leistungen manipulieren will, darf dies machen. Wenn er erwischt wird, dann soll er bestraft werden. Aber nicht sich freikaufen können, die Probe dank einem einflussreichen Funktionär unter den Tisch wischen oder vor einem Wettkampf vom eigenen Verband getestet und dann geschützt werden. Im Fussball gibt es Fouls und Regelverstösse, aber es gibt auch klare Regeln über deren Sanktionen in Form von Freistössen, Karten etc.
An Regelwerken, Kontrollen und Aufklärung fehlt es in der Dopingproblematik nicht. Es fehlt an der Ehrlichkeit und Konsequenz der Sportfunktionäre. Aus weiter Ferne dürfte die IAAF genauso mitschuldig sein wie die russischen Sportfunktionäre. Ein IAAF-Präsident, der gegen Geld positive Dopingfälle vertuscht - eine unvorstellbare Realität. Genauso unvorstellbar, dass der ehemalige Schweizer EAA-Präsident Hansjörg Wirz auch ein notorischer Wegschauer war. 
 
Russland - ein Einzelfall?

Die Informationen über den russischen Leichtathletikverband mögen erstaunen, doch - Hand auf's Herz - so ganz unerwartet ist das nun auch nicht. Das System erinnert stark an die Machenschaften in der ehemaligen DDR, doch auch die Gruppe um die italienischen Aerzte Conconi und Ferrari, der spanische Arzt Dr. Fuentes, der Dopingzirkel um den Radfahrer Armstrong sind bezüglich Dopingpraktiken nicht weniger professionell ans Werk gegangen als die russischen Sportfunktionäre. Und im nahen, deutschen Freiburg wurde an der Universität jahrzehntlang gemauschelt und gedopt.

Wir wissen aus Umfragen, dass der Sportinteressierte gerne einen Sport ohne Doping hätte und dass Doping nicht toleriert wird. Also nicht einfach eine gelbe Karte, sondern wie Sebastien Coe sagt: Es gilt nur noch eine Nulltoleranz...!!!

Der IAAF- Präsident Coe sagt, dass das ganze System versagt habe. Das ist indirekt ein Eigentor für Coe, war er doch 8 Jahre lang Vizepräsident hinter dem Senegalesen Diack, der wahrscheinlich gegen Bezahlung positive Dopingbefunde aus der Welt schaffen liess, notabene mit Hilfe des Anti-Doping-Spezialisten der IAAF.
Der gute Coe muss wohl 8 Jahre lang die Augen geschlossen gehabt haben, dass er die Missstände nicht erkannt hat. Dafür ist er dann für seine Kandidatur gegen den ehemaligen russischen Stabhochspringer Sergej Bubka (ebenfalls jahrelang Vizepräsident der IAAF) zu Werbezwecken in über 200 Mitgliedländer gereist und hat gemäss NZZ vom 19.8.2015 stolze 700 000 Flugkilometer in 8 Monaten absolviert. Dies sind etwas weniger als 90 000 km im Monat, das heisst 3 000 km im Tag, entsprechend etwa 4 Stunden täglich im Flugzeug.
Etwas seltsam im Zeitalter von Internet und neuen Medien. Er ist ja sicher allen als Athlet und Vizepräsident bekannt gewesen. Die Frage, wer wohl seine Spesen gedeckt hat, stellen wir besser nicht, genauso wie die Frage, ob dieses Vorgehen ökologisch vertretbar ist. Aber wir wollen nicht abschweifen. Coe hat bei Antritt seiner Präsidentschaft versichert, dass er seine geliebte Sportart aufräumen und sie wieder attraktiv machen will.

Die IAAF tut einem schon fast ein bisschen leid, da ja aus den Reportagen der ARD klar wird, dass die Machenschaften in Russland nicht nur auf die Leichtathletik beschränkt waren, sondern alle "attraktiven" Sportarten betrafen.
 
Und wo steht die Schweiz?

Die Schweiz ist für seine Grösse eine aussergewöhnlich erfolgreiche Sportnation. Nicht nur auf sportlicher Ebene, sondern auch auf dem sportpolitischen Parkett. Josef und sein Bruder Marco Blatter, Rene Fasel, Hansjörg Wirz, Daniel Plattner, Denis Oswald und Gian Franco Kaspar sind nur einige prominente Namen, die in nationalen und internationalen Gremien vertreten sind oder waren.. Die Schweiz ist auch Sitz des IOC, der FIFA, des internationalen Ski-, Eishockey- und Handballverbandes - eine aussergewöhnliche Häufung, natürlich auch Verdienst der politischen und finanziellen Stabiliät der Schweiz, eventuell auch dank unserer Mehrsprachigkeit und Neutralität.

Die Schweiz hat auch eine gute Anti-Doping Organisation mit Mathias Kamber, mit dem ich in Magglingen jahrelang Türe an Türe gearbeitet habe. Anti-Doping Schweiz ist faktisch unabhängig und wird finanziell vom Bund und von Swiss Olympic unterstützt. Die Information der Athleten, die Ausbildung der Trainer und auch die Organisation der Dopingkontrollen sind vorbildlich, auch das Dopinglabor in Lausanne unter Martial Saugy scheint qualitativ gut zu arbeiten.

Die Frage stellt sich nun, ob die Schweiz deswegen weniger Dopingprobleme hat. 
 
 
Hansjörg Wirz - ein Sportförderer?

Kommen wir zurück zur Leichtathletik - der Internationale Verband sperrt die russischen Athleten und die EAA, die Europäische Leichtathletik Vereinigung zieht unter dem neuen, norwegischen Präsidenten mit und sperrt die Russen ebenfalls.

Russland gehört ja auch zu Europa, also hätte ja auch der Europäische Leichtathletik Verband den Dopingpraktiken der Russen auf die Spur kommen können. Auf europäischer Ebene hatten die Russen wohl nichts zu fürchten, da der Schweizer Hansjörg Wirz seit 1999 Präsident der EAA war. Sein grösster Verdienst bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2015 war gemäss NZZ die Einführung eines zweijährigen Rhythmus der Europameisterschaften statt des Vierjahresturnus.

Hansjörg Wirz hatte ein spezielles Verhältnis zur Dopingfrage - eine Haltung, die ihm national und international sicher viele Freunde gebracht hat - die aber der Schweizer Anti-Doping-Kultur, wie wir sie den jungen Athleten predigen und auch abverlangen, sicher nicht entsprach.

Ironie des Schicksals wiederum, dass nun Hansjörg Wirz vom Fernsehen DRS wiederholt als Experte bezüglich des russischen Staatsdopings befragt wurde.

Grund genug für mich, nochmals einige Dinge auf den Tisch zu legen, wie ich dies nach den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 schon erfolglos versucht habe.
 
Hansjörg Wirz - 3x nicht den Dopingnormen entsprechend gehandelt

1. Prof. Dr. med. Roland Biedert, jahrelang leitender Orthopäde in Magglingen und Fussballverbandsarzt hat gewünscht, dass dieser Punkt gelöscht wird, da er falsch sei. Dies haben wir nun gemacht. Irgendetwas lief vor 40 Jahren wohl dennoch schief. Im Zeitungsartikel über Hans Howald aus dem Jahr 2013 wird wahrscheinlich die selbe Episode beschrieben. Nach einem Meeting sei ein Leichtathletikfunktionär in Magglingen im Labor gestanden und wollte, dass gewissen Urinproben vernichtet werden. Hans Howald bestätigte mir vor einigen Tagen, dass dies nach der Hallen-SM in Magglingen gewesen sei. Er kann sich aber nicht mehr erinnern, welcher Funktionär im Labor stand. Sie haben die Proben dennoch analysiert und sie seien trotz den Befürchtungen der LA-Funktionäre negativ gewesen. Es sei dabei primär - wie so oft in der ganzen Polemik - um den Kügelstösser Werner Günthör gegangen. Beachten Sie unten den Link zum NZZ-Artikel, der im Internet gefunden werden kann.

2. An den Olympischen Spielen in Atlanta hat sich Pascal Richard eine Woche vor dem Rennen im Arztdienst gemeldet und nach einer Insulinspritze gefragt, ohne eine zu bekommen, da ich gar nicht begriff, was er wollte. Einige Stunden später wurde er bei der Injektion in den Oberschenkel in einer leeren Koje des Medical Centers beobachtet. Auf Intervention von Chefarzt Dr. Jenoure gab er zu, dass er Wachstumshormon spritze. Scheinbar war dies im Radsport so völlig üblich, da Richard ja keine Anstalten machte, dies zu verbergen.
Dr. Jenoure besprach dies mit dem Chef de mission Hansjörg Wirz, worauf mit dem Athleten und dem Radchef Egloff ein Gespräch geführt wurde. Der Athlet wurde gebeten, dies nicht mehr zu machen, eine Woche später wurde er Olympiasieger. Hansjörg Wirz konnte sich bei einer späteren Aufarbeitung durch die Basler Zeitung (siehe Artikel unten) an nichts mehr erinnern....Entgegen den seriösen Notizen von Dr. Jenoure in der Krankengeschichte.

3. An den Olympischen Sommerspielen in Sydney berichtete ein Athlet, dass sein Teamkollege vor dem Start Medikamente eingenommen habe. Der verdächtigte Athlet, der eine Bronzemedaille gewonnen hatte, hatte keine Meldung diesbezüglich an das Medical Team gemacht und sein Club-Team stand unter Dopingverdacht. Zudem war auffällig, dass er nicht in das Trainingslager der Nationalmannschaft im Vorfeld der Spiele in Autstralien eingerückt war, sondern die Zeit mit seinem Clubteam ebenfalls in Australien verbrachte. Diese Vorwürfe wurden vom Chefarzt Toni Held an Hansjörg Wirz rapportiert mit Vorschlägen, was nun zu tun sei. Hansjörg Wirz hat nichts unternommen und in der Nachbearbeitung der Situation mehrmals gelogen.
 

Ausschnitt aus dem NZZ-Artikel 2013:

An einem Schweizer Leichtathletikmeeting Anfang der 1980er Jahre wurde scheinbar zufällig im Vornherein bestimmt, dass nicht der Sieger, sondern die hinter ihm Klassierten getestet würden. Der Dominator der Disziplin gewann überraschenderweise nicht und musste dummerweise zur Kontrolle. Kurz darauf wurde der Verbandschef im Labor vorstellig, um sich persönlich darum zu kümmern, dass der Urin seines Aushängeschilds nicht analysiert wurde.
 
 
Anti-Doping Schweiz arbeitet nicht mehr mit der IAAF zusammen

Dr. Matthias Kamber, Direkter von Anti-Doping Schweiz, stoppt die Zusammenarbeit mit der IAAF.
Lesen Sie zwei interessante Artikel in der Le Monde von Ende 2015 und in der Basler Zeitung vom 5.1.2016.
 
 
Hansjörg Wirz erhält vor der Europameisterschaft in Tampere ein T-Shirt von Athleten, die von sich aus eine Anti-Doping Kampagne lanciert haben.
Hansjörg Wirz erhält vor der Europameisterschaft in Tampere ein T-Shirt von Athleten, die von sich aus eine Anti-Doping Kampagne lanciert haben.

Zum Schluss noch ein tolles Bild von zwei Personen, die vieles im Sport kaputt gemacht haben.
15 Jahre geniessen, gratis reisen, verdienen, gut essen, sich ehren lassen, wegschauen, mogeln und die ganze Welt verarschen. Ab ins Gefängnis!
 
 
 
Hansjörg Wirz wird für seine Verdienste als Präsident der EAA geehrt - hier zusammen mit dem Senegalesen Diack, seinem langjährigen Begleiter als Präsident der IAAF.
Hansjörg Wirz wird für seine Verdienste als Präsident der EAA geehrt - hier zusammen mit dem Senegalesen Diack, seinem langjährigen Begleiter als Präsident der IAAF.
Dopingbekämpfung in der Presse 2008

Das Thema "Was nun bei teaminternem Dopingverdacht?" wurde vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 nochmals von der Basler Zeitung und der Fernsehsendung "10 vor10" aufgenommen.
Die Basler Zeitung hat dabei gut recherchiert und den Sachverhalt objektiv dargestellt (siehe oben). Das Fernsehen hat lange recherchiert, alles gefilmt und zweimal wenige Stunden vor der Ausstrahlung aus unverständlichen Gründen die Ausstrahlung verschoben und dann davon abgesehen.

Beachten Sie den Eintrag in der Krankengeschichte von Dr. Jenoure und die entsprechenden Aussagen von Hansjörg Wirz. Wieviel mal darf ein Sportfunktionär lügen? Und wie oft darf er wegschauen?

Viel Spass beim Aufräumen! Aber wer macht es denn?
 
 
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